Aktuell 2014
 
August 2014
   Rückblick auf 75 Jahre DRK in Bielefeld - Dornberg

Am 04. November 1939 gründeten die Kameraden Willi Hohenhaus, August Hülsegge, Willi Ewes, Reinhard Heidbreder und Heinrich Tente in Dornberg eine Sanitäts-Gruppe im Deutschen Roten Kreuz.

Diese Gruppe war nicht der erste Sanitätsverein im Bereich Dornberg. Es gab vorher bereits eine Gruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes die sich in Großdornberg traf.
Aber nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde der Arbeiter-Samariter-Bund, wie alle anderen Sanitätsverein auch, unter nationalsozialistische Leitung gestellt.
Da viele Mitglieder jedoch nicht bereit waren, sich gleichschalten zu lassen, traten sie aus dem Arbeiter-Samariter-Bund aus. Dieses Verhalten führte dann am 1. August 1933 zum Verbot des Arbeiter-Samariter-Bund.
In den sechs Jahren danach machte sich, in dem ländlichen geprägten Raum um Dornberg herum, sehr schnell der Bedarf für ausgebildete Helfer im Sanitätsdienst bemerkbar.
Einen Rettungsdienst, wie wir ihn heute kennen, gab es damals noch nicht! -  Bei Unfällen in den Haushalten, auf den Höfen oder Baustellen wurden die Hausärzte gerufen, die zum Teil bereits motorisiert waren. Aber die Information musste erst einmal zum Hausarzt kommen. Bis sachkundige Hilfe eintraf, dauerte es darum manchmal Stunden.
Da auch das Telefon noch nicht weit verbreitet war, es gab nur die Handvermittlung durch das Fräulein vom Amt, konnte auch kein Notruf, so wie wir ihn heute kennen, abgesetzt werden.
Der Transport in das nächstgelegene Krankenhaus erfolgte oft erst in den nächsten Tagen, wenn der Patient nicht bereits vorher verstorben war.
Für diejenigen, die in der eigenen Familie erlebt hatten wie lange eine Notfallversorgung dauern konnte, war klar dass sich etwas ändern musste. Hinzu kam, dass Hitler-Deutschland am 1. September 1939 Polen überfallen hatte und sich das Deutsche Reich im Kriegszustand befand. - Die Notfallversorgung auf dem Lande wurde hierdurch nicht besser.
Willi Hohenhaus übernahm die Aufgabe, die männliche Bereitschaft zu leiten und diese weiter auf- und auszubauen. Er tat dies in selbstloser und vorbildlicher Weise mit dem Erfolg, dass sich immer mehr Kameraden zum Dienst innerhalb der Gruppe bereit erklärten.
Im Laufe der Zeit kamen auch Helferinnen zur Mitarbeit hinzu. Es entwickelte sich eine Rotkreuzgemeinschaft, die sich sowohl in Kriegszeiten als auch danach im Frieden bewährte.
Während des Krieges betreuten unsere Helferinnen und die verbliebenen Helfer Verwundete in den Bielefelder Krankenhäusern, insbesondere in Bethel.
Die jüngeren Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen und standen nicht mehr zur Verfügung. Diese Kameraden wurden an der Front häufig als Sanitäter eingesetzt, weil sie über eine gute Ausbildung verfügten.
Nach Kriegsende betreuten wir Vertriebene, Kriegsversehrte und Kriegswaisen.
Im Jahre 1949 bildete sich die alte Bereitschaft unter Leitung von Willi Hohenhaus wieder, nachdem einige Kameraden aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt waren und versuchte getreu der Rotkreuzidee, Hilfe zu leisten.
Es war eine schwere und harte Zeit. Zum einen mussten neue Kameradinnen und Kameraden gewonnen werden, zum anderen konnten wir damals in der Bevölkerung noch nicht wieder das rechte Verständnis für unsere Arbeit finden.
Zu sehr hatte der Nationalsozialismus das Ansehen geschädigt. - Aber auch das wurde geschafft!
Mit Unterstützung der Dornberger Amts- und Gemeindeverwaltung gelang es, die Grundlagen für eine neue  Rotkreuzgemeinschaft zu legen.
1955 errichteten die Kameraden Willi Generotzki, Willi Freith, Willi Nolte, Karl Furch, Fritz Steinmann, Herbert Stockmeyer, Peter Gubert und Hermann Beckmann ein kleines DRK-Ausbildungsheim auf dem Grundstück der ev.-luth. Kirchengemeinde in Kirchdornberg.
1974 wurde das Gebäude umgebaut und auf die heutige Größe erweitert. Dieses war nur durch die fleißigen Helfer um unseren damaligen Bereitschaftsführer, Hans-Dieter Burstaedt, möglich.

Von 1958 bis 1989 hatten wir auch ein sehr aktives Jugendrotkreuz, dem zeitweise über 50 Kinder und Jugendliche, in den Gruppen „Schwarzer Kater“ und „Die kleinen Schlümpfe“, angehörten. Erster Leiter war Heinz Maimann, der sich sehr engagiert für die Jugendarbeit einsetzte.
Mit zwei Generationen engagierten sich hier schon einige Familien. Dieses waren unter anderen die Familien Maimann, Freith, Furch, Hellwig, Kulle, Westfeld und Johannhardt. Die Familie Stockmeyer engagiert sich hier im Ortsverein bereits in der dritten Generation.
Im Katastrophenschutz war unsere Bereitschaft ebenfalls unermüdlich tätig. In den 70ger Jahren wurde in Dornberg die 37. Luftschutz-Sanitäts-Bereitschaft mit seinen Fahrzeugen stationiert. Im Laufe der Jahre erfolgte eine Umstellung auf den zivilen Bevölkerungsschutz (ZB), diese großen Einheiten wurden in kleiner umgebaut.
Der Ortsverein Dornberg übernahm die Führungsgruppe Bereitschaft, die für die Einsatzleitung und Führung aller Rot Kreuz Sanitätszüge in Bielefeld zuständig war. In 1987 übertrug man uns den 2. KatS Sanitäts Zug, dessen Fahrzeuge in Brackwede stationiert waren und den wir bis zur nächsten Umstellung der Einheiten besetzten.
Im Laufe der Entwicklungen um den Mauerfall und das Entfallen der Bedrohung durch die Warschauer-Pakt-Staaten, ergaben sich auch Veränderung im Wehr- und Ersatzdienst. Es entfielen die Freistellungen für den Katastrophenschutz. Hierdurch schrumpften die Zahlen der aktiv Tätigen erheblich, denn ein großer Teil unserer Helfer bestand aus jungen Männern, die nicht zur Bundeswehr wollten und stattdessen lieber Wehrersatzdienst leisteten. Häufig waren das Studenten der Bielefelder Universität.
Seit der Gründung des Blutspendedienst in Münster führen wir auch in Dornberg Blutspendetermine durch.
Zuerst starteten wir mit zwei Terminen pro Jahr im Schulpavillion in Kirchdornberg, später betreuten wir dann bis zu 6 Termine im Raum Dornberg.
Heute sind die im Ev.- Luth. Gemeindezentrum Babenhausen an der Babenhauser Straße stattfindenden vier Termine fester Bestandteil unserer aktiven Arbeit.
Die Realistische Unfalldarstellung (RUD) ist ein Teil des Programms im Jugendrotkreuz. Da etliche unserer Aktiven aus dem Jugendrotkreuz stammen, gründeten wir 1990, nachdem unser JRK nicht mehr existierte, den Arbeitskreis Realistische Unfalldarstellung.

Hier beschäftigen wir uns mit der Darstellung von Unfallsituationen und den daraus resultierenden Verletzungsmustern.

Diese sogenannte Notfalldarstellung hilft unseren Helfern im Sanitäts- und Rettungsdienst, sich auf den Ernstfall vorzubereiten und senkt die Hemmschwelle vor Unbekanntem.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Sozialarbeit ist die Mitwirkung im Dornberger Lebensmittelkorb. Hier beteiligen wir uns mit mehreren Helfern und Fahrzeugen am Einsammeln und Verteilen von Lebensmitteln an Bedürftige im Stadtbezirk Dornberg.
Nicht vergessen möchte ich, dass uns seit über 30 Jahren die Dornberger Schützen ihr Festzelt für unseren Senioren-Nachmittag zur Verfügung stellen.
Zu dieser Veranstaltung mit Musik und Programm laden wir stets alle Senioren im Stadtbezirk Dornberg ein. Wir bewirten dann bis zu 350 Personen kostenlos mit Kaffee und Kuchen. 
Unsere Helferinnen und Helfer stellen in Bielefeld auch das Kreisauskunftsbüro (KAB). Es gehört zum Suchdienst des DRK und wird bei Großschadensfällen eingesetzt. So wurden wir zum Beispiel beim Explosionsunglück in Schildesche oder beim Hochhausbrand in Baumheide eingesetzt.
Leider finden sich immer weniger jüngere Menschen, um sich unentgeltlich für ihre Mitmenschen zu engagieren, aber bei den Möglichkeiten die sich ihnen heute durch die digitale Welt bieten, erscheint die Idee des Miteinander und Füreinander da sein wohl nicht mehr als so wichtig.
Ähnlich sieht es auch bei der Ersten Hilfe aus. Wir wollen, dass uns bei einem Unfall oder in einer Notfallsituation schnell und gut geholfen wird. Aber können wir denn selbst noch richtig helfen?  Häufig liegt der Kurs für Sofortmaßnahmen am Unfallort, den wir alle für den Führerschein benötigten schon Jahre zurück und vieles wurde vergessen.
Bei einem Unfall, einer schweren Operationen oder einer Krebserkrankung wird häufig Blut oder ein Blutpräparat benötigt. Dieses Blut rettet Leben, es gibt noch keinen Ersatz dafür. In den letzten Jahren geht aber die Zahl der Blutspender kontinuierlich zurück.
Für die in der Bundesrepublik benötigten Kontingente muss heute schon im Ausland zugekauft werden!
Darum mein Appell an Sie alle. - Kommen Sie zu uns zum Erste-Hilfe-Kurs, sie retten mit ihrem Wissen und Können unter Umständen einem ihnen nahestehenden Menschen das Leben. Wir bieten auch Kurse zur Ersten Hilfe am Kind an.
Spenden Sie Blut, schneller können Sie kein Lebensretter werden!
Und wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen schon nicht mehr spenden dürfen, animieren Sie einfach Freunde, Bekannte oder Verwandte es doch einmal mit dem Blutspenden zu versuchen.
Das Rote Kreuz in Bielefeld macht aber noch vieles mehr. - Wir beteiligen uns mit den Kollegen vom Arbeiter-Samariter-Bund und der Johanniter Unfallhilfe am Rettungsdienst der Stadt Bielefeld.
Das Rote Kreuz in Bielefeld hat aber noch weiter Aufgabenfelder übernommen die vielfältig sind und sich alle am Leitmotiv „Aus Liebe zum Menschen“ orientieren.

So gibt es im Stadtgebiet sieben Kindertagesstätten, aber leider noch keine bei uns in Dornberg.

Der Behinderten-Fahrdienst befördert mit mehreren Fahrzeugen Rollstuhlfahrer oder Personen mit Behinderung zu ihren Zielorten.

Auch im Bereich der Pflege engagiert sich das Rote Kreuz in Bielefeld. Ambulante Pflege, hauswirtschaftliche Hilfe, Fahrdienst, Einkaufshilfe oder Hausnotruf sind hier nur ein paar Stichworte.

Seniorengerechtes Wohnen, bei denen es auch die Option der Betreuung (also Betreutes Wohnen) gibt. Auch für Demenzpatienten gibt es gesonderte Wohneinheiten.

Im Martha-Stapenhorst-Heim werden Seniorinnen und Senioren betreut, die nicht mehr allein zu Hause leben können oder wollen.

Sie sehen, wir engagieren uns - nicht nur in Dornberg - sondern weltweit.

Wir engagieren uns für Sie!


Foto und Text: Gerd Stockmeyer